Von Mario Kemenc publiziert am 4. Oktober 2016

Voice Search: Ok Google, zeig uns die (SEM-)Zukunft!

Im schnelllebigen Online Marketing ist oft die Rede von immer neuen, digitalen Trends. Sie kommen und gehen, nur wenige setzen sich durch und bleiben.
Voice Search fällt eindeutig in die Kategorie der Bleibenden. Ein flüchtiger Blick zeigt uns, dass wir diesen „Trend“ nicht länger als vorrübergehenden Hype ansehen dürfen: 20 % der Google-Suchanfragen geschehen bereits per Sprache, bei Bing ist es jede vierte. Sie sind um 30 % mehr Action-getrieben als klassische Suchen. Schließlich geben bereits 55 % der Teenager und 41 % der Erwachsenen an, täglich per Voice Search zu suchen.

Gründe für die wachsende Beliebtheit gibt es zahlreiche: Voice Search geht schneller und eignet sich für Multi-Tasking, oft greift man beim Kochen oder Autofahren darauf zurück. Zunehmend wird der Dialog mit der künstlichen Intelligenz auch gesellschaftlich akzeptiert. Während sich die „Generation Nokia“ noch beklommen fühlt, sehen sich die mit dem iPhone groß gewordenen Digital Natives damit am Puls der Zeit. Befeuert wird der Vormarsch des Voice Search durch die immer ausgefeiltere Technik. Mittlerweile beginnen Sprachassistenten auch den Sinn von Phrasen, Kontext und Doppeldeutigkeit zu greifen, im Fachjargon „Voice Understanding“ genannt. 

Voice Search und Suchmaschinenmarketing (SEM)

Das SEM steht zweifelsfrei vor neuen Herausforderungen. Bereits jetzt werden 20 % der Suchanfragen mit direkten Antworten bedient, sodass Links und Anzeigen nicht ausgespuckt werden. Diese Zahl wird mit der Verbreitung des Voice Search steigen, denn während „Tipper“ bereit sind Recherche zu betreiben, will der „Talker“ eine schnelle Antwort. Für Website-Betreiber, deren Leistung bis jetzt darin bestand die Hauptstadt von Colorado aufzulisten, hat die Uhr längst 12 geschlagen.

Doch es entstehen auch Chancen: Wenn anstelle von „Stahlfelgen Chrom“ nach „Welche Arten von Stahlfelgen gibt es?“ oder „Wo bekomm ich günstige Chrom-Stahlfelgen?“ gesucht wird, erfahren wir, an welcher Stelle in der Buyer Journey sich der potenzielle Kunde befindet und können ihn dort mit einem für Ihn passenden Angebot abholen.

Ebenfalls positiv ist, dass bei der Optimierung für Voice Search größtenteils das eingehalten werden muss, was auch für das moderne SEO gilt: Linkkäufe und Keyword-Spamming haben ausgedient, guter Content nähert sich weiter dem Imperator-Titel. 

So rüsten Sie sich in Sachen Voice Search

Was Sie dabei im speziellen berücksichtigen müssen, um ebenfalls für Voice Search gerüstet zu sein, erfahren Sie hier:

 1. Mobile Optimization: Wer noch immer Argumente hierfür benötigt, kriegt nun ein weiteres frei Haus. Voice Search wird praktisch ausschließlich über das Smartphone ausgeführt, demnach müssen Ladezeiten und Design der Landingpages auch den Bedürfnissen der Suchenden entsprechen.

2. Strukturierte Daten: Häufig wird Voice Search für lokale Suchanfragen verwendet („Ok Google, wo ist der nächste Bankautomat“, „Wie lange hat das Solarium heute auf?“, „Wer legt später im Bootshaus auf?“). Damit die Suchmaschinen die passenden Antworten lesen können, müssen wichtige Informationen wie der genaue Standort, Telefonnummer, Öffnungszeiten oder auch Programm und Menükarte strukturiert und vollständig vorhanden sein. Verwenden Sie Rich Snippets und das von Google, Yahoo und Microsoft gemeinsam entwickelte Schema Markup (schema.org), um Ihre Seiteninhalte zu strukturieren und der Suchmaschine mitzuteilen, was die Daten auf Ihrer Seite bedeuten.

3. FAQ: In den meisten Fällen stellen die Suchenden W-Fragen: Wer, wie, was, wo, warum? Man lenkt die Suchmaschine auf die eigene Seite, indem man ein hochwertiges FAQ anbietet. Die wichtigsten Punkte müssen in klaren, einfachen Sätzen verpackt sein. So kann die Information schnell und auch als direkte Antwort geliefert werden.

4. Blog-Artikel zu typischen Kundenproblemen: Verfassen Sie Beiträge in Blogs und gestalten Sie Landingpages so, dass Kunden Lösungen für typische Probleme bekommen („Wie lese ich den Stromzähler ab?“, „Was hilft gegen Ketchup auf dem Hemd?“). Selbst wenn Google die Antwort dann direkt von Ihrer Seite liefert und der Kunde die Seite nicht aufzurufen braucht, bringt das Vorteile für Sie. Denn die Autorität, die Google Ihrer Seite beimisst, steigt so massiv und das zahlt sich für Ihre SEO-Ziele aus (Tipp: So funktioniert erfolgreich Bloggen heutzutage).

5. Long Tail-Keywords: Bei Voice Search fragt der Suchende frei heraus und überlegt nicht, welche Wortkombination die gängigste für sein Problem sein könnte. Auch wenn starke Keywords immer Keywords bleiben werden, nimmt die Bedeutung von starren Wortkombinationen in bestimmter Reihenfolge in Zukunft ab. So fällt bei Sprachsuchen auch die Auto-Suggest-Funktion weg. Hinzu verstärkt Voice Search Google dabei, vermehrt auf Kontext zu achten und Variationen einzubeziehen. Nehmen Sie daher auch Long Tail-Keywords in Ihre SEO- & SEA-Strategie mit auf. Verwenden Sie Tools zur Recherche und die sogenannte Broad Match Modifier-Option in Google AdWords.

6. Natürliche Sprache: Eng mit dem vorherigen Punkt verwandt ist die Forderung wegzugehen von auf Keywords ausgerichteten Formulierungen (z.B. „Wir sind als Klempner Dortmund weit tätig!“ mit der Absicht, für das Keyword „Klempner Dortmund“ ein gutes Google-Ranking zu erzielen). Wenn die Texte Ihrer Seite vom Sprachassistenten vorgelesen werden, dann sollten sie dem Suchenden wie natürliche Sprache erscheinen (in dem Fall „Wir sind ein renommierter Klempner-Service, der seit Jahrzehnten in und um Dortmund tätig ist“.

7. „Brand Language“ festlegen: Die Marke tritt immer mehr in den direkten Dialog mit dem Kunden: Sei es durch Tweets, Beantworten von Facebook-Kommentaren oder nun auch mittels Sprachassistenten. Überlegen Sie sich genau, in welchem Ton Ihre Marke wahrgenommen werden soll. Bedenken Sie auch, dass die gesprochene Sprache einfacher gestrickt ist als geschriebene Texte.

8. Falsche Aussprache beachten: Trotz stetigem Fortschritt ist die Technik nicht fehlerfrei. Doch auch der Suchende spricht gerne mit Dialekt oder kennt die Aussprache ausländischer Marken nicht. Daher sollten mögliche falsche Variationen gesammelt und mitgebucht werden, wenn Sie beispielsweise Ihre Anzeigen für die Marke „Moschino“ schalten möchten. In dem Beispiel wird die Marke schnell mal „Moskino", mal „Moschkinó" getauft.

9. W-Wörter & Befehle: Es empfiehlt sich passende W-Wörter und Befehle wie „Suche mir“ in das Keyword-Set für AdWords aufzunehmen (+Wo +Hantelbank).

10. Sprich mit Deinem Telefon: Nicht nur Pflanzen benötigen Liebe und Zuneigung, sondern auch Ihr Smartphone. Doch auch wenn Sie in dieser Hinsicht noch ein distanziertes Verhältnis haben, kommen Sie nicht drum herum mit Voice Search zu experimentieren. Nur so lernt man die Perspektive des Kunden kennen und plötzlich ist Voice Search kein Trend mehr, sondern gehört zu Ihrem Standardrepertoire.

Fazit: Voice Search ist Zukunft statt Trend

Voice Search ist hier um zu bleiben. War es vor wenigen Jahren noch ein lustiges Spielchen mit Siri zu reden, gehören Sprachassistenten nun zum Alltag und werden selbstverständlich zum Googeln eingesetzt. Für Unternehmen bietet sich die Chance Voice Search in die eigenen SEO- und SEA-Maßnahmen zu integrieren und so einen Wettbewerbsvorteil gegenüber der Konkurrenz aufzubauen, da viele diese Entwicklung noch nicht erkannt haben. Mit einer zeitgemäßen Suchmaschinen-Strategie lässt es sich gelassen dem nächsten Trend entgegensehen.

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