Von Mario Kemenc publiziert am 28. September 2016

AMP: SEO-Boost oder Spuk?

Google legt großen Wert auf Ladegeschwindigkeit und Mobile Optimierung. Diese trockene Feststellung wird von der SEO-Gemeinde auch gerne als „Mobilegeddon“ bezeichnet, denn wer sich den Anforderungen verweigert oder mit den Entwicklungen der Konkurrenz nicht Schritt halten kann, büßt an Sichtbarkeit ein. Nachdem uns der Suchmaschinen-Gigant vermittelt hat, wohin die Reise gehen soll, liefert er uns nun auch die nötige Ausrüstung dazu: Accelerated Mobile Pages oder kurz AMP nennt sich die Initiative, die von Google im vergangenen Jahr ins Leben gerufen wurde, um das WWW für Smartphone-Nutzer schneller zu machen, und das seitdem kräftige Unterstützung erfährt. Doch was genau hat es mit dieser Entwicklung auf sich? Welche Vorteile bringt der Umstieg? Lohnt es sich für jedes Unternehmen AMP zu entwickeln oder ist es nur eine Sache für „Publisher“, wie man ursprünglich zu lesen bekam?

 

 Zunächst einmal zur Beruhigung: Wenn Sie nach Mobile Subdomains, Responsive Design, Dynamischen Ausspielungen und nun auch AMP nicht mehr ganz durchblicken, dann sind Sie nicht alleine. Bei einer aktuellen Studie gaben 46% der befragten nordamerikanischen und europäischen SEO-Experten an, AMP nicht zu kennen oder es nur beiläufig wahrgenommen zu haben.

 Allerdings vermutet knapp die Hälfte derjenigen, die mit dem Thema bereits vertraut sind, mit AMP das Google-Ranking erheblich beeinflussen zu können. Weitere 30% glauben es zumindest moderat beeinflussen zu können. Eine Studie die verdeutlicht: hier schlummert viel Potenzial.

Vereinfacht ausgedrückt sind Accelerated Mobile Pages (AMP) Seiten mit abgespecktem HTML-Code, die eine um bis zu 85% reduzierte Ladezeit gegenüber der Responsive Desktop Variante aufweisen können. Sie ermöglichen dem Browser, die mobilen Seiten mit einer einzigen Anfrage zu berechnen und auszuliefern. Style-basierte Berechnungen werden eingeschränkt, Fotos werden beispielsweise erst nach dem Text und der Struktur geladen.

Zusätzlich soll die Arbeit mit AMP auch ein Umdenken bei den Programmierern herbeiführen. Anstelle des noch immer weit verbreiteten Ansatzes der „Graceful Degradation“ (Herunterbrechen einer für Desktop Computer konzipierten Benutzeroberfläche auf ein Mobiles Endgerät) soll der „Mobile First“ Ansatz (Konzeption der mobilen Benutzeroberfläche und nachgelagertes Anreichern dieses Konzeptes für Desktop Computer) in den Mittelpunkt gestellt werden. Allerdings nicht nur aus Sicht der Gestaltung, sondern bereits in der Konzeptionsphase der Seite sollen sich nach Vorstellungen von Google Entwickler in Zukunft zuerst fragen, worauf Mobile Nutzer im Kontext der Webseite eigentlich Wert legen und welche Inhalte und Tools erst gar nicht in den Mobilen Use-Case passen.

Geheimer SEO-Tipp: Höheres Google-Ranking durch AMP

Die Anwendung von AMP bietet nicht nur dem Nutzer einen schnelleren Zugriff, sondern verspricht auch dem Seitenbetreiber einige Vorteile: Bessere SEO-Sichtbarkeit (Visibility), niedrigere Absprungraten (Bouncerate) und ein höheres Ranking in der Organischen Suche:

  • Bessere Visibility: AMP-Ergebnisse werden bei Google über den Suchtreffern ausgeliefert. Zusätzlich sind sie mit einem Foto und einer hervorgehobenen Überschrift angereichert. Wer seine Seite hier zum Ziel-Keyword platziert, kann sicher sein, dass sie dem Suchenden zuerst ins Auge springt. Dies führt unweigerlich dazu, dass solche Suchtreffer öfter geklickt werden (Click-through-Rate oder CTR) und damit deutlich mehr Keyword-Traffic verursachen.
  • Niedrigere Bouncerate: Ist eine Seite nach drei Sekunden noch nicht geladen, steigen bereits 40% der Besucher wieder aus. Wenn schon drei Sekunden als zu lang empfunden werden, lässt sich leicht ausmalen, wie hoch die Absprungrate morgens in der Bahn bei ausgelastetem Netz sein kann. Wer seinen Content schnell liefern kann, senkt nicht nur die Absprungrate, vielmehr bindet er vor allem die Besucher mit einer auf mobilen Endgeräten konstant schnell ladenden Seite langfristig an sich.
  • Höheres Ranking in der Organischen Suche: Laut Google soll die Verwendung von AMP noch kein Bewertungs-Faktor sein. Doch es bedarf keiner großen Fantasie um sich vorstellen zu können, dass Google die eigene Entwicklung früher oder später in die Bewertung mit einfließen lässt.

Bis das soweit ist, lässt sich der SEO Bosst durch AMP bereits jetzt erzielen: Die ersten beiden Argumente – höhere CTR und niedrigere Ausstiegrate – sind jetzt schon äußerst wichtige Kriterien und der Wunsch nach Mobile Optimierung („Mobilegeddon“ lässt grüßen) beinhaltet strenggenommen auch das Anbieten von AMP.

AMP nur für Publisher geeignet?

AMP führen also zu besseren Rankings. Wieso springen dann nicht alle auf diesen Zug auf? Nun, wie eingangs beschrieben haben es viele noch nicht auf den Schirm, zumal AMP bislang wenig außerhalb der USA ausgespielt werden. Auch bringt die Umstellung Aufwand mit sich. In den letzten Jahren wurde auf Responsive Design gesetzt, gerade um die doppelte Codierung von Seiten zu vermeiden und nun soll die Entwicklung in die entgegengesetzte Richtung gehen. Die Begeisterung für eine neue Baustelle hält sich ob der erforderlichen Investitionskosten bei vielen Seitenbetreibern in Grenzen.

Ein entscheidendes Argument ist jedoch, dass die Reduzierung auf das Nötigste auch wichtige Elemente von Seiten ausschließt. AMP waren ursprünglich für Publisher vorgesehen, sprich Anbieter, deren primäre Leistung im Anbieten von Content in Textform besteht. Keinen Platz mehr auf AMP haben JavaScripts, die gerade im Inbound Marketing von hoher Bedeutung für Kontaktformulare sind, um Leads zu generieren. Auch grafische Elemente, die den Style der Seite bilden, sind in der AMP-Version überflüssiger Schnick-Schnack. Daher sind AMP für die meisten eCommerce-Unternehmen momentan nur bedingt einsetzbar, wenn auch bereits an Lösungen gearbeitet wird und sich insbesondere eBay als äußerst eifrig erweist.

 

Fazit: Seiten mit viel Informationsmaterial und täglichen News sind gut geeignet für AMP. Speziell Unternehmen, die sich als Experten in ihrer Branche etablieren möchten, können durch die verstärkte Präsenz in den AMP-Suchergebnissen punkten. Es ist jedoch sinnvoll statt der gesamten Website nur den Blog oder den News-Bereich als AMP anzubieten. AMP mögen zwar nicht die Endlösung in Sachen Mobile Optimierung sein, doch mit Google im Rücken und als flexible Open Source-Lösung bergen AMP großes Potenzial – wir dürfen auf die weitere Entwicklung gespannt sein.